Der britische Ahnenforschungs-Dienst Ancestry.co.uk hat keine Kosten und Mühen gescheut und den Datenbestand aller britischer Telefonbücher von 1880 bis 1984 digitalisiert. Es handelt sich dabei um ungefähr 280 Millionen Telefonbucheintragungen. Die Datensätze schließen die Telefonnummer aber auch die Adressen mit ein und Prominenz wird dabei nicht ausgeschlossen. Wieviel Geld der Anbieter dafür investiert hat, ist nicht bekannt, aber es scheint sich heutzutage wirklich zu lohnen, in den Bereich Genealogie zu investieren.
Diese Datenbestand ist sicherlich nicht nur für den Laien interessant, der wissen will, wo seine Familie einmal gelebt hat. Es lassen sich sicherlich diverse Lücken im Stammbaum füllen, diverse Bewegungen der Vorfahren nachvollziehen. Aber auch für die Wissenschaft scheint dieser Datenbestand von großem Nutzen.
Zu beachten ist dabei natürlich, das in früheren Jahren bevorzugt die Betuchteren sich ein Telefon leisten konnten. Jedoch läßt sich anhand der Telefonbücher auch die schnelle Verbreitung des Telefons nachweisen. Das erste Telefonbuch Londons aus dem Jahre 1880 enthält gerade einmal 284 Namen und noch keine Telefonnummer, da die Gespräche noch vermittelt wurden. In der ersten landesweiten Ausgabe eines Telefonbuches im Jahre 1896 gab es bereits mehr als 81000 Einträge. 100 Jahre später brauchte man dann schon fast 150 regionale Telefonbücher. Zu erwähnen wäre vielleicht noch, daß Telefonbücher natürlich immer eine sehr hohe Auflage haben.
In diesem Datenschatz kann man wirklich vieles suchen und finden. Für viele wird sicherlich die Suche nach berühmten Persönlichkeiten eine wahre Freude sein. Wer wollte nicht schon mal nach den britischen Premiers suchen oder eben nach Bram Stokers. Jeder kann, wenn vorhanden, eine lückenlose Geschichte seiner Familie erstellen, wie lange sie so gelebt haben, aber auch die Geschichte bestimmter Häuser läßt sich erstellen, wer hat von wann bis wann in einem bestimmten Haus gelebt. Mit Hilfe eines digitalisierten Datensätzen eröffnen sich wirklich extrem viele Möglichkeiten der Suche und Zusammenstellung von Zusammenhängen. Und hier werden bestimmt auch der ein oder andere Geschichtswissenschaftler drüber brüten.
Nun hat der Anbieter dies sicherlich nicht zur seinem eigenem Spaß veranlasst. Ancestry.co.uk möchte natürlich damit Geld verdienen. Und deshalb kommt man auch erst in den Genuss dieser Daten, wenn man seine monatliche Grundgebühr errichtet. Wenn man jedoch die Möglichkeiten sieht, die allein solch eine Datensatz bietet, ist es vielleicht das Geld wert. (Quelle:Spiegel.de)
