Die Heraldik umfasst insgesamt die Bereiche der Wappenkunde, der Wappenkunst und des Wappenrechts. Sie ist eine historische Hilfswissenschaft als Disziplin der Geschichtswissenschaft.
Das klingt jetzt ziemlich hochtrabend, also fangen wir lieber einmal ganz von Vorne an. Wie entstanden eigentlich Wappen. Nor vor dem Mittelalter, schon in prähistorischer Zeit versuchten Stämme ihre eigene Kultur auch in ihrem Äußeren darzustellen. Sie verwendeten bestimmte Kleidung oder auch Kopfschmuck und zwar in bevorzugten Farben und mit Symbolen. Tiersymbole waren dabei schon immer sehr beliebt. So konnte auch im Feld jeden Krieger seine Stammeszugehörigkeit signalisieren. Was sich bewehrt wird natürlich weiter getragen und so übertrug sich diese Art der Kennzeichnung auch in die nächsten Zivilisationen. Dabei blieben Tiersymbole die meist verwendeten Zeichen. So trugen die Griechen auf ihren Schilden Tiere wie Löwen, Pferde oder Vögel, aber auch die Herrführer Persiens oder Chinas setzten auf den Schilden und Fahnen verschiedene Zeichen und Figuren und auch die Legionen Roms hatten ihre eigenen Symbole und Insignien. Zunächst blieben diese Symbole meist aber noch Dekoration. Entscheidend für eine Schlacht waren die Feldfarben der Standarten, Wimpel und der Kleidung. So konnte man sie halt auch aus großer Entfernung identifizieren. Heutzutage tarnen sich Armeen ja lieber, aber im Sport kennt man diese Kennzeichnung sehr wohl noch. Aus den verschiedenen Schildformen, Schildfarben und Schildsymbolen gingen jedoch später die Schildwappen hervor.
Im Mittelalter wählten dann die Herrscherhäuser ihre ganz eigenen Symbole aus. Bei Schlachten hatte die Kleidung und die Rüstungen immer weniger Unterschiede und so wurden die Farben und Symbole auf den Schildern immer wichtiger. Um trotzdem einen guten Erkennungswert zu erreichen, wählte man einfache geometrische Formen und verschiedene Farben. Zunächst waren die Farben und Symbole personenbezogen und konnte auch jederzeit gewechselt werden.
Während der Kreuzzüge nun zogen viele Fürstenhäuser gleichzeitig in den Krieg und durch die Rüstungen, die auch das Gesicht verbargen kam es teils zu einem großen Wirrwarr. So entstanden die sogenannten Erbschilde. Schon während des 2. Kreuzzuges war es eine Ehre, wenn man das gleiche Zeichen auf dem Schild trug wie die Vorfahren während des 1. Kreuzzuges. Seither waren die Wappenzeichen weithin sichtbar auf den Schilden, auf Brust und Rücken, bis hin zu den Pferdedecken und den Wimpeln der Lanzen.
Ein weiterer Grund für die Entwicklung der Wappen waren die Ritterturniere. Um die Ritter, trotz der Rüstung erkennen zu können, trugen die Ritter, die am Turnier teilnahmen ihr eigenes Wappen auf den Schildern. Die Wappen dienten bei solchen Turnieren auch dazu, damit der Herold die Ritter im Turnier ausrufen konnte. Auch wurden in dieser Zeit oft schon Verwandtschaftsverhältnisse durch Wappen sichtbar. Einige Wappensymbole wurden so bekannt, daß sie sogar eigene Kurznamen erhielten.
In der Renaissance verschwanden die Ritterturniere schnell und mit Verbreitung der neuen Feuerwaffen wurden auch Schild, Lanze und Rüstung überflüssig. Man sollte meinen, daß nun auch die praktische Funktion der Wappen verloren ging. Jedoch hatten die Wappen mittlerweile auch eine hoheitliche Funktion erhalten. Die meisten Ritter waren nun einmal Analphabeten. Mit Hilfe der Wappen konnten sie trotzdem Dokumente zuordnen. In dieser Zeit entstand das Amt des Herolds, der alle Namen, Titel und Wappen kennen mußte. Schnell übertrug sich das Wappenwesen auch auf andere Bereiche. So wurden sie schnell im Rechtssystem benutzt, sie wurden auf Siegeln angebracht, auf Stadttoren usw. Sie verloren somit immer mehr die praktischen Funktionen und die Darstellungen wurden wesentlich kunstvoller und aufwendiger.
Man sollte meinen, daß Wappen heutzutage keine Rolle mehr spielen. Sie waren im Grunde aber Vorläufer der Schutzmarken der bürgerlichen Zeit. Denn die Aufnahme in die Wappenrolle garantierte , daß niemand sonst das gleiche Symbol tragen durfte.
In Deutschland darf auch heute jede natürliche oder juristische Person ein eigenes Wappen wählen und ist analog dem Namensrecht davor geschützt, das Andere das gleiche Wappen führen.
Im englischsprachigen Raum haben sich bis heute staatliche Heroldsämter erhalten. Sie prüfen die Wappenberechtigung eines Wappen. So besitzen auch viele "Berühmtheiten", die zum Ritter geschlagen wurden ihr eigenes Wappen.